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Projekt Toskana – Episode 3: Eine Natursteinmauer mit Wendungen

Eines gleich vorweg, was jetzt schlußendlich dasteht, ist nicht wirklich das was am Anfang geplant war! Geplant war ein kleines, etwa bauchnabelhohes Natursteinmäuerchen, selbsttragend und in trockenbauweise. Aber wie heißt es so schön, nichts ist so beständig wie der Wandel. Das wusste vor 2500 Jahren schon der Grieche Heraklit und mittlerweile weiß ich das auch, aber der Reihe nach.

Der Vorbesitzer hatte an der Stelle an der einmal meine Natursteinmauer thronen darf, auf bodentiefe Betonrabatten gesetzt. Diese stützten bisher einen unsichtbaren Maschendrahtzaun. Unsichtbar deswegen, da dieser sich, wie in einem anderen Artikel schon erwähnt, sehr gut in einer etwa zwei Meter dicken Hecke versteckte.

Selbstredend das die damals verbauten und echt dicken Rabatten in einer Mischung aus Beton, Bauschutt und Zement eingebettet wurden. Eine Art Fundament gab es auch, dieses bestand aus Mineralbeton und etwas das aussah wie Sandstein.

Versuche mit dem Spaten tiefer in den Boden einzudringen, scheiterten kläglich. Also wurde der Bereich, welcher im Eifer der Gefechts schon von Betonrabatten befreit wurde, “nur” noch eigeebnet und mit einer Rüttelplatte verfestigt. Den Großteil der Betonrabatten beließ ich an Ort und Stelle, dieser diente fortan als Fundament für meine Mauer.

Ich weiß das Trockenmauerwerke nur geschlichtet werden, da ich aber kein Experte in Sachen Trockenmauerei bin, habe ich für mich beschlossen lieber doch etwas erdfeuchten Beton-Estrich als Lückenfüller zu benutzen. Nicht viel, vielleicht insgesamt 20 Säcke oder so…aber auch nur allerhöchstens.

Mist! die Steine sind ja riesig

Völlig unterschätzt habe ich dabei mal wieder die Größe der Steine. Zwar wusste ich dank der Arbeiten an der Böschung was auf mich zukommen wird, dennoch ging ich davon aus das ca. 50 bis 60 Zentimeter Breite (Mauertiefe) ausreichend sein werden. Was sich natürlich als fataler Irrtum herausstellte.

Es kam wie es kommen musste! Umso weiter ich mich nach vorne und oben arbeitete, umso schwerer wurde es die Steine vernünftig ineinander zu verkeilen. Sie waren einfach zu Groß um genügend Spielraum für eine vernünftige Schlichtung innerhalb der begrenzten 60 Zentimeter zu haben.

Nach gut zwei bis drei Stunden Arbeit musste ich es mir einfach eingestehen, dass ein Abriss mit anschließendem Neuaufbau die einzig vernünftige Lösung sei.

Das so etwas kein angenehmes Erlebnis darstellt, dürfte klar sein. Während ich mir aus dem örtlichen Streichelzoo sämtliche Namen an den Kopf geschmissen habe (blöder Esel, doofer Ochse, dummer Ziegenbock etc.), konnte ich meinen Frust bei der “Demontage” so richtig freien lauf lassen. Um es in den Worten des bekannten Birnchenerfinder Thomas Edison zu fassen, “Erfahrung nennt man die Summe aller Irrtümer”. Irgendwann werde ich in meinem Leben ein Fundus an Erfahrung besitzen, aber bis dahin muss halt Muskelkraft fehlendes Wissen ersetzen *grins*.

Zweiter Versuch

Für den zweiten Anlauf wählte ich dann eine breite von knapp 80cm und siehe da, nach knapp zwei Stunden war ich wieder genauso weit wie vorher. Bei der Gelegenheit habe ich diesmal auch in der Ecke begonnen, so wird dem Gebilde im Vorhinein viel mehr halt gegeben.

Zusätzlich kam ich auf die Idee zwei Leerrohre für spätere Stromversorgungen einzubauen. So hatte der Mauerabriss mit dem darauf folgendem Aufbau wenigsten einen kleinen Sinn ergeben.

Ruckzuck war dann auch der erste Tag vorbei und hinterließ bei mir gemischte Eindrücke. Eindruck Nummer Eins, die Nichteinhaltung der abgewägten Menge an Beton-Estrich. Ihr erinnert euch, ich ging von knapp 20 Säcken aus. Bis hierher wurden aber schon stolze zwölf Säcke verbraucht und die Mauer steht nicht einmal zu einem Bruchteil ihrer Größe.

Eindruck Nummer Zwei, die angepeilte Höhe. Ich dachte mir, wenn ich schon soviel Beton und Kalorien verbrauche, dann kann ich auch ein klitzekleines bisschen höher bauen. Steine wären ja zu genüge vorhanden und ob ich jetzt Bauchnabelhoch oder bis zur Brustwarzenunterkannte baue, ist jetzt auch schon egal.

Mit diesen Erkenntnissen arbeitete ich mich die nächsten Tage voran. Natürlich all dem beherzigend, was ich mir schon beim Böschungsbau angeeignet habe. Große Steine unten, möglichst im Verband und so weiter und so weiter.

Im laufe der weiteren Bauphase entschied ich mich auch noch für vier anstatt zwei Leerrohre. Eines zentral im Eck, für Stromversorgungen aller Art und drei weitere in den Flanken, hier werden einmal Wandleuchten meine Mauer bestrahlen.

Darf es ein bisschen mehr sein?

Nach knapp einer Woche Bauzeit wurde ein weiteres Ziel ins Auge gefasst, beziehungsweise in die Hand genommen. Schuld daran waren vermutlich die vielen Lobgesänge spontaner Besucher oder aber aufkeimender Größenwahn. So oder so! Wenn ich schon soviel Mühe und Schweiß in ein Bauwerk stecke, dann soll es auch der Mühen und Schweißungen(????) gewürdigt werden! Nun stand ich da, vor meiner Mauer. Zeigefinger in die Luft streckend und dabei heroisch ausrufend:

“Adamsapfel hochsoll sie werden” (***künstlerische Pause, dabei heldenhaft nickend***) “und jeden Ansturm überstehen…für alle Zeit”.

Ok, vielleicht war es in der Realität nicht ganz so dramatisch, aber vom Gefühl her sicherlich schon. Es sind halt die kleinen Dinge im Leben eines Mannes, die einem das Gefühl königlicher Erhabenheit geben *grins*.

Die Tage vergingen

Die nächsten Tage verbrachte ich mit suchen, schlichten, mörteln und zwischendurch dem besorgen weitere Säcke Beton-Estrich. Ihr habt es wahrscheinlich schon vermutet, aber die 20 Säcke Beton waren schon längst aufgebraucht. Mittlerweile wurde schon eine Palette an Säcken verarbeitet und ein Ende ist nicht in Sicht.

Nach knapp drei Wochen konnte man schon gut erkennen wohin die Reise “Bruchsteinmauer” einmal gehen wird. Immerhin schließt die Mauer schon an der zuvor gelegten Böschung an und ergibt so einen beinahe rundumlaufende Wall.

Ungefähr zum selben Zeitpunkt ergab sich auch das Motto der Baustelle, “Projekt-Toskana”. Wieso weiß kein Mensch, denn keiner der Anwesenden Mottogründern war jemals in der Toskana.

Noch irgendwelche Änderungen?

Eines Abends bei einem Glas Vino entschied meine Frau die Mauer nicht einfach auslaufen zu lassen, sondern an dem alten Eingangstor aus Holz anzuschließen. “Welches alte Eingangstor?” habe ich gefragt. “Na das, dass du noch bauen wirst”. Anschließend hielt sie mir noch ihr Smartphone vor die Nase: “Schau ungefähr so, hübsch oder?”.

So wurde die Mauer eben abrupt und im rechten Winkel beendet, um dann irgendwann einmal, dass konnte ich zumindest heraushandeln, an einer alten Pforte zu enden.

Weiter mit der Mauer. Da mir eine gerade Oberkannte ziemlich unpassend erschien, entschied ich mich kurzerhand für einen welligen Abschluss. Das sieht nicht nur super aus wie ich finde, sondern erspart mir auch so manchen Wasserwaagen schwingenden prüfenden Verwandten.

Ein paar Tage darauf kam meine Frau auch noch auf die Idee eine Pergola zu integrieren. Sie meinte irgendetwas von, “…hab ich in Pinterest gesehen und würde super zum Holztor passen” oder so. Also noch etwas was ich mir im Hinterkopf behalten muss, aber vorerst sollte der Limes sein Ende finden.

Das Ende naht

Man soll es nicht glauben, aber knapp 6 Wochen nach Baubeginn stand die Mauer schon. Viel schneller als ich erwartet habe und auch mit viel mehr Beton als erwartet. Insgesamt 5 Paletten a´42 Säcke verschlang die Mauer, dass sind knapp 5 Tonnen Betonestrich.

Der oben angebrachte Betonkranz soll nicht nur hübsch aussehen, sondern auch verhindern das im Winter Wasser von oben in das Mauerwerk eindringt. Gut, ganz vermeiden wird man Frostschäden wahrscheinlich nicht, das gehört eben zur Natur einer Natursteinmauer, aber man kann das Risiko dadurch etwas minimieren. Minimieren würde zwar auch ein verfugen der Natursteinmauer, aber anders als bei den Granitleisten, finde ich das eine offene Struktur hier viel besser aussieht.



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