Eine Dekade Langeweile: Leidet Apple mittlerweile an Innovationsarmut?

Bei diesem Artikel handelt es sich um eine persönliche Meinung die weder repräsentativ sein, noch die Allgemeinheit widerspiegeln soll.

Ich weiß, es handelt sich um eine sehr steile These, aber kann es sein das Apple seit etwa 10 Jahren an Innovationsarmut leidet? Dieser Gedanke kam mir zwar das erste mal bei der iPhone 7 Vorstellung, lässt sich aber beinahe auf alle Produkte der Firma übertragen.

Irgendwie scheint die Zeit vorbei, in der man als Apple Fan noch generell als Image- und Prestigejäger gehandelt wurde. Als Fan war man es nicht nur gewöhnt mehr Geld für die Optik auszugeben, man wollte es sogar. Sind wir mal ehrlich, Aussagen wie…

“Naja ist schon echt schick, aber 30% zahlst du doch nur für die Optik?”

…hat man doch willig in Kauf genommen, oder? Ich weiß noch als ich mein erstes Unibody MacBook gekauft habe. Für 300€ weniger hätte ich sogar bei Apple mehr Hardware bekommen, dann aber nicht aus einem stilvollen Block Alu, sondern “nur” in einer weißen Plastikschale. So richtig erklären konnte ich meine Handlung damals nicht, dass war aber auch nicht nötig. “Form follows function” war die Devise. Selbst als nicht Apple Fan musste man sich einfach eingestehen, dass Apple beinahe ausnahmslos Geschmack beim designen seiner Gehäuse erwies. Nur selten war man wirklich enttäuscht, meist überwiegte der Wow- und Haben-Wollen-Effekt.

Leider scheint das “sich neu Erfinden” in den letzten Jahren eingeschlafen zu sein. Zwar schlägt ein Geschwindigkeitsrekord den anderen und mit jedem Jahr werden die verbauten Sensoren ausgeklügelter, die Gehäuse dünner und die Kamera leistungsfähiger, aber optisch herrscht seit Jahren gähnende Langeweile. Ein paar Beispiele gefällig!

Was ist das für ein iPhone?

Blicken wir mal auf die iPhones der letzten 13 Jahre. Die bisherige ständige und radikale Formänderung mit jeder ganzen Versionsnummer, verpufft ab dem Modell Nummer 6 zu Nuancen. Seit dem besagten iPhone hat sich nichts grundlegendes am Design geändert. Na gut, man verbannte den Homebutton und bekam dafür ein hässlichen Notch, aber abgesehen davon blieb die grundsätzliche Form beinahe identisch.

Ähnlich sieht es da beim iPad aus. Es mag sein, dass man anhand des auf mobilen Einsatz getrimmten Gerätes recht begrenzt in der Gestaltung ist, aber etwas mehr muss doch drin sein. Vielleicht denkt man sich die besagten Geräte verkaufen sich eh wie geschnitten Brot und eine Investition in die Entwicklung neuer Designs kann man sich sparen. Ich geben auch zu das ein ZweiJahresrhythmus auf Dauer vermutlich nicht zu stemmen ist, aber sechs Jahre beinahe Stillstand sind schon eine sehr lange Zeit im Smartphone Markt.

Wenn ich den Smartphone und Tablet Markt außer acht lasse und einen Blick auf die “prestigeträchtigeren” Produkte werfe, sieht es leider nicht viel anders aus.

Der iMac ist von wann?

1998 kam der Bonbon iMac G3 auf den Markt und war mit seinem farbig transparenten Gehäuse dermaßen skurril, dass selbst Toaster und Wasserkocher in dieser auffälligen halbdurchsichtigen Optik verkauft wurden.

Es dauerte dann keine 4 Jahre und der in meine Augen schönste iMac erblickte das Licht der iT-Welt. Liebevoll auch als “Schreibtischlampen-Mac” bezeichnet, änderte sich mit dem iMac G4 das Design sowas von grundlegend, dass man meinen könnte eine andere Produktplattform präsentiert zu bekommen.

Gut, im direkten Vergleich stinkt der alte G4 schon ein bisschen ab, aber das ist einfach seiner Zeit geschuldet und wie die Konzeptbilder von “Xhakomo Doda” beweisen, ließe sich die Form prima in die moderne transferieren.

Dann kam das Jahr 2004, also wieder nur zwei Jahre später und der iMac G5 trat auf die EDV-Bühne. Diesmal in einem flachen schlichten und weißem Gehäuse, welches aber schon sehr stark am aktuellen Design angelehnt ist.


This image has been created during “DensityDesign Integrated Course Final Synthesis Studio” at Polytechnic University of Milan, organized by DensityDesign Research Lab in 2016. Image is released under CC-BY-SA licence. Attribution goes to “Giulia Piccoli Trapletti, DensityDesign Research Lab”.
Timeline of the product Apple iMacCC BY-SA 4.0

2007 erschien dann der erste iMac aus Aluminium und die “neue” Marschrichtung in Sachen Optik war gegeben: Schlicht, Clean und dennoch Elegant! Bedauerlicherweise hielt das bis heute an. Versteht mich nicht falsch, der iMac ist alles andere als hässlich, aber mittlerweile doch ein wenig uninteressant geworden.

Schaue ich meinen 2016er iMac an, dann sehe ich keinen nennenswerten Unterschied zum drei Jahre jüngeren, aber auch keinen erwähnenswerten zum neun Jahre älteren iMac. Seit 2007 wird der Look des Vorzeige All-In-One Rechners wieder einmal recycelt.

Da es für mich mal wieder an der Zeit ist einen “echten” mobilen Rechner zuzulegen, muss ich auch einen Blick auf die MacBooks werfen, also tun wir das doch einmal.

Die MacBooks und der Mac Mini

Ohne wenn und aber, das neue “MacBook Pro 16  ist ein schickes Teil, aber dem ersten Unibody auch irgendwie sehr ähnlich. Ein zusätzlicher Touchbar und etwas anderen Ausmaße, können doch nicht alles sein was sich in den letzten 12 Jahren verändert hat! Natürlich könnte man jetzt behaupten das sich die Form für einen mobilen Rechner bewährt hat, aber macht es ihn deswegen weniger langweilig? Eher nicht.

Sieht man sich bei der Konkurrenz um, dann muss man Microsoft lobend anerkennen, dass man mit der Surface Familie echte Innovation betrieben hat. Hier gibt es sämtliche Variationen eines mobilen Gerätes. Das Standard Notebook “Surface Laptop , die Symbiose aus Notebook und Tablet Namens “Surface Pro , oder mit dem “Surface Book ” die Kombination aus beidem.

Auf der anderen Seite muss einfach erwähnt werden, dass sich alle Notebooks bei Apple irgendwie sehr gleichen? MacBook, MacBook Pro, MacBook Air, sie alle gehören eigentlich nur zu einer Gattung mit unterschiedlicher Größe, mehr nicht. Selbst wenn Apple “nur” ein Notebook auf den Markt bringen will, also ohne allzu viel Schnickschnack, dann wäre es dennoch mal wieder an der Zeit optisch neue Wege zu gehen.

Wie so etwas aussehen kann, zeigt ASUS mit dem “ZenBook Duo . Hier bekommt man mit dem zweite Display einen echten Mehrwert und sieht obendrein auch noch gut aus.

Ich möchte jetzt das Touchbar nicht schlecht reden, aber dem Großen würde eine derartige “Touchbar” schon gut stehen.

Der Apple TV und auch der Mac Mini machen es mir diesbezüglich besonders einfach. Lässt man die erste Apple Set-Top-Box außen vor, wird seit 2010 nur Einheitsbrei gekocht. Nicht viel anders sieht es da beim Mac Mini aus, wobei man sagen muss das dieser ja eh mehr einen Hobby, als ernsthafter Absicht gleicht.

Der hat es schon hinter sich (Mac Pro)

Bei all der vielleicht übertriebenen Miesepeter Stimmung, gibt es noch immer einen Lichtblick oder besser gesagt Vorzeige Mac. Die Rede ist vom Mac Pro, beziehungsweise der Power Mac Reihe. Zwar waren die ersten 68k und PPC Macs keine Augenweide, aber ab dem 97er “Blue and White” PowerMac G3 änderte sich alles und Apple wurde zum Pseudonym für Gehäusearchitektur. Der “Schlumpf Mac” war stilistisch gesehen nicht jedermanns Sache, dafür hat sein 99er Nachfolger, der graphitfarbene PowerMac G4, die “bitte etwas seriöser” Lücke schließen können.

2 Jahre später wurde dann der “Quicksilver” PowerMac G4 veröffentlicht und stellte eine kosmetisch Weiterentwicklung des Graphit G4 dar. Er wirkte noch etwas stilsicherer und ließ damit den PowerMac noch eleganter erscheinen.

Im September 2003, also knapp 6 Jahre nach dem ersten “schön” designten PowerMac, kam dann der Wechsel auf Aluminium und Apple stellte dem erstaunten Publikum seinen ersten “Käsereiben Mac” vor. Zuerst noch auf PowerPC Basis, 2006 dann als Mac Pro mit Intel CPU. Die Form des Gehäuses blieb dann ganze 10 Jahre unangetastet, bis im Jahr 2013 der “Eimer-Mac” (Video) das Licht der Welt erblickte.

So richtig wohlwollend wurde der Darth-Vader unter den Macs zwar nicht aufgenommen, dafür war er aber wieder einmal komplett anders.

2019 bewies Apple einmal mehr den Mut alte Zöpfe abzuschneiden und entdeckt für sich die Käsereibe wieder.

Der neue “Mac Pro” ist meiner Meinung nach schon jetzt ein Trendsetter. Nicht umsonst werden mit dem “Dune Pro” fleißig Klone in ATX Format hergestellt. Leider beginnen hier die Preise bei utopischen 6500€ und enden irgendwo weit im fünfstelligen Bereich. Das Design aber sollte wegweisend für die Macbooks und iMacs der (sehr) nahen Zukunft sein.

Fazit: Die Hoffnung stirbt zuletzt

So, jetzt habe ich so richtig vom Leder gezogen und dabei auch irgendwie nach meinem Opa geklungen. Früher war alles besser, hat er immer gesagt. Ganz so ist es jetzt nicht, denn mit dem neuen Mac Pro hat Apple ja bewiesen das sie noch “Neu” können und wenn man genau hinschaut, gab es auch beim PowerMac eine zehnjährige Designdürre. Vielleicht kann man aber schon, am vorgestellten Pro Display, das Design des neuen iMac erkennen. Ich hoffe es! So langsam müsste nämlich auch ein neu gestaltetes MacBook her! Ich würde mir nämlich in den Arsch beißen, wenn ich ein paar Monate vor der Veröffentlichung noch ein “altes” Design kaufen würde.

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